Letztes Feedback

Meta





 

Schule X

Heute darf ich in der Willkommensklasse der Schule X hospitieren. Der erste Eindruck: es ist laut, die 13 Jugendlichen zwischen 13 und 15 Jahren wuseln wild durcheinander, die Lehrerin guckt ratlos in die Menge. Es klingelt und ich soll mich der Klasse vorstellen. Schon jetzt bekomme ich mit, dass einige nicht ein Wort von dem verstehen, was ich sage. Andere sind mit ihrem Smartphone beschäftigt oder müssen spontan auf die Toilette. Nun sollen sich die Schüler vorstellen und es wird schnell klar, was für ein gewaltiger Unterschied in den Sprachniveaus herrscht. Noch in der Vorstellungsrunde klopft es an der Tür - 5 neue Schüler stehen etwas eingeschüchtert an der Tür, begleitet von einer Übersetzerin. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan und Mazedonien. Die Lehrerin spricht munter auf die Neuankömmlinge ein, die natürlich nichts verstehen und fährt mit der Vorstellungsrunde fort. Nachdem ich das Ganze etwas beobachtet habe, greife ich ein. Man hat gleich zu Beginn mitbekommen, dass es genügend Schüler gibt, die bereits sehr gut Deutsch sprechen, darunter ein arabisches Mädchen und ein Junge aus dem Kosovo. Ich frage die beiden, ob sie sich heute als Dolmetscher zur Verfügung stellen und neben die Neuen setzen. Der Lehrerin steht ein großes Fragezeichen ins Gesicht geschrieben, da sie nun erneut mit 5 Schülern bei Null beginnen muss...In der Pause wird mir erklärt, dass wir uns nächste Woche nicht wiedersehen werden, da es an dieser Schule A und B Wochen gibt, in denen die Fächer wechseln und somit auch die Lehrkräfte. Ich bin überrascht, dass die Willkommensklasse einige Lehrer nur alle 2 Wochen zu Gesicht bekommt. Die Klasse wird zwar 5 Tage die Woche unterrichtet, allerdings nur für 2-3 Blöcke (a 90 Minuten) pro Tag. Ich bin mit der Erwartung gekommen, eine Art Intensiv-Sprachkurs zu erleben. Tatsächlich stehen auf dem Stundenplan aber auch Mathe, Naturwissenschaften, WAT, Geschichte, Englisch, Musik und Sport. Im 2. Block, in WAT, treffe ich auf eine andere Lehrerin mit ähnlichen Ermüdungserscheinungen. Die Jugendlichen sollen ein Interview mit dem Sitznachbarn führen. Ich weise diskret darauf hin, dass sie sich eben schon vorstellen mussten und es deshalb zu Unruhe kommen könnte. Es gibt aber keinen Plan B, also wird der Unterricht durchgezogen. Kurz vor dem 3. Block sagt ein Schüler zu mir "wir haben jetzt NaWi, du musst Angst haben." Als die Lehrerin den Raum betritt, wird mir schnell klar, was er meinte. Eine Frau mit angsteinflößender Erscheinung brüllt durch den Raum "Shut uuuuup!!! Wenn ihr es nicht auf Deutsch versteht..." Alle sind zwar ruhig, aber ob sie in diesem Moment wirklich die Funktionsweise des Verdauungssystems und das Schalenmodell für Atome kennenlernen müssen, bleibt (für mich) fraglich.

20.10.15 18:20

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL